Bikepacking: München – Venedig, Alpenüberquerung leicht gemacht

München-Venedig Alpenüberquerung

Irgendwie ist die jährliche Alpenüberquerung schon fast eine Tradition. Es ist schließlich die dritte in vier Jahren. Ich bin also schon ziemlich erfahren, was die Vorbereitung angeht. Und eigentlich wollte ich dieses Jahr auch keine klassische Überquerung machen, sondern eher eine Runde durch die Alpen drehen. Am Ende ist es dann trotzdem München-Venedig geworden. Und auch wenn ich es am Anfang nicht wollte: Bereut habe ich es nicht. Denn meine Vorurteile, dass die Strecke zu einfach, zu unanspruchsvoll und langweilig ist, wurden alle nicht bestätigt. Ganz im Gegenteil: München-Venedig ist unglaublich abwechslungsreich, hier und da durchaus anstrengend und wirklich eine Empfehlung!

Boote in Venedig
Am Ende wartet Venedig

Inhaltsverzeichnis

Die Vorbereitung: Training, Planung, Ausrüstung

Für eine Alpenüberquerung sollte man grundsätzlich fit sein. Doch wie fit ist fit genug? Und wie trainiert man dafür? Ich bin dazu übergegangen, vor meiner „großen Tour“ noch eine kleinere Test-Tour zu fahren. Dieses Jahr war diese Test-Tour alles andere als klein: Es ging 700km durch Frankreich (auf dem Radweg La Voie Bleue). Und das war im Grund mein einziges Training. Im Alltag fahre ich so 100 – 150km pro Woche. Meine Empfehlung ist, wenn du schonmal 100km am Stück gefahren bist, bist du definitiv fit für eine Alpenüberquerung!

München-Venedig Beschilderung
München-Venedig ist wirklich gut ausgeschildert

Die Planung hab ich dieses Jahr aus Zeitgründen sträflich vernachlässigt. Irgendwie dachte ich, naiv wie ich manchmal bin, dass sich alles vor Ort schon finden wird. Hat es auch, aber komplett anders als gedacht. Der ursprüngliche Plan war über die Strecke München-Venedig in die Alpen rein zu fahren und so auf halber Strecke auf die Via Claudia Augusta zu wechseln. Hat ganz offensichtlich nicht geklappt. Die Radwege sind aber sowohl in Italien, als auch in Österreich sehr gut ausgeschildert, sodass man nicht unbedingt eine Karte/Rad-Navi braucht. So kann man auch spontan entscheiden, wo es lang gehen kann.

Meine Ausrüstung orientiert sich weiterhin an dieser Liste (Einsteiger-Packliste), ich versuche mittlerweile nur noch das Nötigste mitzunehmen. Denn jedes Gramm mehr muss man qualvoll den Berg hochschleppen.

Anreise und Abreise mit der Bahn

Anreise Köln – München: Ich hatte wahnsinnig Glück, denn ich habe super spät gebucht, aber trotzdem noch einen Stellplatz im Fahrrad-Abteil bekommen. Ich bin Mittags in Köln los und war Abends in München. Dort hab ich dann die erste Nacht auf dem Campingplatz Thalkirchen geschlafen.

Abreise Venedig – München – Köln: Ich hatte mir ein Ticket für die Rückfahrt ab München gekauft. Also war schonmal klar, wann ich wieder in München sein muss. Von Venedig aus bin ich mit dem Nahverkehr nach München gefahren, denn ich war zu spät dran, um mir ein Fernverkehrs-Ticket zu kaufen. Aber nach meiner Erfahrung in Frankreich hab ich das ganz entspannt gesehen. Und auch auf dieser Strecke ging es erstaunlich gut. Man braucht ungefähr 9 Stunden.

Alter Bahntunnel auf dem Radweg München - Venedig
Auf alten Bahntrassen nach Venedig und auf neuen Bahntrassen wieder zurück

Das war meine Verbindung:

  • 9:10 – Venedig Santa Lucia – Verona Porta Nuova
  • 11:50 – Verona Porta Nuova – Brennero/Brenner
  • 15:03 Brennero/Brenner – Innsbruck HBF
  • 15:50 Innsbruck HBF – Kufstein
  • 17:02 Kufstein – München

Alpenüberquerung: In einer Woche mit dem Rad von München nach Venedig

Etappe 1: München – Achensee

Tageskilometer: 105 km; Campingplatz: Alpen Caravan Park Achensee

Los ging’s wirklich früh auf dem Campingplatz in München. Ich hatte vergessen, mir Frühstück mitzunehmen – daher hab ich einfach alles fix eingepackt und bin los. Die ersten Kilometer ging’s an der Isar entlang, die auch einfach ein französischer Kanal sein könnte. Immer mal wieder verlässt der Radweg den Fluss und führt durch den Wald – was für eine Erleichterung. Denn es ist schon ziemlich warm.

Kurz hinter Wolfratshausen erblicke ich das erste Mal die Alpen. Dieser Moment ist immer grandios und einfach immer einer der schönsten der Tour. So ein frühes Highlight ist auch dringend nötig, denn meine Laune ist ziemlich im Keller. Denn ich hatte absolut keine Lust auf diese Tour. Ich hatte keine Lust, meinen Freund wieder einmal Zuhause zu lassen. Ich hatte keine Lust, meine ganzen Sachen zusammen zu packen. Keine Lust auf Zugfahren. Keine Lust darauf, überhaupt loszufahren. Aber mit dem Blick auf die Alpen sind die negativen Gedanken erstmal verschwunden.

Die erste richtige Ortsdurchfahrt ist Bad Tölz, hier geht’s einfach ohne Pause durch und immer weiter die Isar hoch. In Lenggries gibt’s dann endlich ein riesiges Törtchen und ein Malzbier und eine lange Pause im Schatten. Am frühen Nachmittag erreiche ich den Sylvensteinspeicher – eine so schöne Kulisse hätte ich so früh auf der Tour gar nicht erwartet. Und dann fängt die Plackerei an: Auf Schotter-Wegen, die sich wirklich nicht gut fahren lassen, geht’s hoch zum Achensee. Dass ich früh dran bin und ich mir Zeit lassen kann, entspannt mich. Und so quäle ich mich die Schotterwege hoch und erreiche schon bald Österreich!

Noch 10 weitere Kilometer auf Schotter und unfreundlichem Untergrund und einen kurzen Einkaufs-Stopp und dann bin ich auch schon am Achensee. Toller Ort. Aber der Campingplatz ist sauteuer (40€ für die 2 Reihe!). Und damit ist der erste Tag auch schon geschafft. Leise prasselt der Regen auf mein Zelt, während ich einschlafe.

Radfahrerin am Sylvensteinspeicher
Erster Tag, erstes Highlight: Der Sylvensteinspeicher

Etappe 2: Achensee – Telfes im Stubai

Tageskilometer: 77km; Campingplatz: Sonnencamping Stubai

Der Tag startet spektakulär: Die Wolken hängen tief über dem Achensee und die Stimmung ist wunderschön. Da ich in der zweiten Reihe stehe, ist mir auch nicht danach, in Ruhe zu frühstücken. Also schnell los. Auf einem Weg, der in den Fels gehauen ist und der mich sehr an die alte Axenstraße in der Schweiz erinnert, geht’s immer am Achensee entlang. Am Ende des Achensees ist eine kurze Frühstückspause angesagt, bevor es auf Schotter-Wegen hinab ins Inntal geht. Ganz schön anstrengend mit so einem schweren Fahrrad. Umso froher war ich, als endlich der Inn vor mir auftauchte. Ab jetzt geht’s ein ganzes Stück im Grunde flach. Links und rechts die Berge – was für eine schöne Aussicht.

Bei meiner Mittagspause treffe ich eine Gruppe alte Herren, mit denen ich ins Gespräch komme. Sie geben mir den Tipp, bereits in Innsbruck den Radweg München-Venedig zu verlassen und direkt ins Stubai-Tal abzubiegen. So würde ich mir ein paar Höhenmeter sparen. Alles klar.

Ich fahre also weiter nach Innsbruck und bin völlig begeistert von der Stadt. In Innsbruck verlasse ich den offiziellen Weg und fahre direkt auf der „richtigen“ Seite der Sill in Richtung Brenner. Der Weg ist schotterig und schwer zu fahren, es geht immer wieder steil hoch. Ich bin früh dran und lasse mir Zeit. Am nächsten Nachmittag erreiche ich dann Telfes und den wunderschön gelegenen Campingplatz mit typisch Tiroler Betreiber. Hart aber herzlich.

Pausentag im Stubai-Tal

Aufgrund des schlechten Wetters entscheide ich mich, am dritten Tag direkt einen Pausentag einzulegen. Es ist den ganzen Tag Regen und teilweise Starkregen angesagt – das muss ich mir nicht geben. Also liege ich den ganzen Tag im Zelt oder sitze im Waschhäuschen, schaue mir das Tal an und genieße das Nichts-tun.

Etappe 3: Telfes im Stubai – Brixen

Tageskilometer: 94 km; Campingplatz: Campingplatz Vahrner See

Heute ist der große Tag: Es geht über den Brenner und damit im wahrsten Sinne ist der Höhepunkt der Reise erreicht (dachte ich zumindest). Der Regen hat sich gelegt, die Sonne scheint und ich bin früh los. Es geht zunächst raus aus dem Stubaital und dann immer der Sill entlang. Bis Matrei am Brenner ist mein Weg noch selbst geplant, doch auch hier ist der Brenner ausgeschildert. Verfahren ist also schwer. Es geht auf Schotterwegen immer wieder rauf, es fährt sich sehr schwierig. Also schiebe ich mein Rad. Irgendwann werde ich überholt. Ich schaue zur Seite und das knall-pink meines Rads lacht mich an. „Schickes Fahrrad“ rufe ich hinterher. Die Person bleibt stehen, schaut mein Fahrrad an, lacht und wir quatschen eine Runde. Das sind diese Momente, die ich so wunderschön finde.

In Matrei erreiche ich wieder den offiziellen München-Venedig Radweg und es geht wirklich ganz entspannt am Fluss entlang. Ich mache nochmal eine Pause, bevor es kurz hinter Steinach auf die Landstraße geht. Vor diesen Passagen habe ich ja immer etwas Respekt – man weiß nie, wie der Verkehr wird, wie anstrengend es wirklich ist. Aber es ist wirklich richtig schön: Die Landstraße ist vergleichsweise ruhig, die Autos halten viel Abstand, es sind generell viele Fahrräder unterwegs und die Steigung hält sich auch in Grenzen. Ich muss keinmal Schieben. Und dann bin ich schon fast etwas enttäuscht, als ich auf dem Brenner ankam. Denn oben ist es ziemlich hässlich, es gibt keine schöne Aussicht und völlig fertig bin ich auch nicht.

Ab dem Brenner beginnt eine sagenhafte Abfahrt auf einer alten Bahntrasse. Die Aussichten ins Tal sind grandios, es gibt sogar alte Bahnhöfe und Tunnel. So etwas liebe ich ja. Ich verlasse die Bahntrasse in Gossensaß. Nun geht der Weg über Wirtschaftswege über malerische Hügel. Kurz vor einem Dorf steht ein Junge auf dem Weg und fragt mich, ob ich was trinken möchte. Er, seine Schwester und seine Mutter verkaufen gegen Spende Wasser mit selbstgemachtem Sirup. Das Angebot lasse ich mir nicht entgehen. Natürlich quatschen wir auch hier wieder etwas.

Hinter Sterzing erreiche ich den Eisack, es geht also wieder ein ganzes Stück am Fluss entlang. In Franzensfeste ist eine Umleitung ausgeschildert, die ich nicht richtig gelesen hatte. Stellte ich im nachhinein als Fehler dar. Statt gerade runter nach Brixen zu fahren fuhr ich einen Bogen über Schabs und Neustift. Mein Ziel war ursprünglich der Campingplatz Löwenhof, der mich aber abgewiesen hat – schon voll (Hallo!? Ich habe ein winzigkleines Zelt, dafür wird man ja noch Platz haben). Aber das war halb so schlimm, denn ganz in der Nähe gab’s einen zweiten Campingplatz. Und so fuhr ich fast im Kreis wieder zurück in Richtung Franzensfeste. Denn kurz dahinter ist noch ein Campingplatz. Hätte ich den direkt angesteuert, hätte ich mir die Umleitung sparen können. Aber was soll’s.

Auf dem Campingplatz treffe ich erstmal jemanden aus dem Münsterland, der mir erklären möchte, dass alleine Reisen ja so gefährlich ist. Ich kann ihn aber für den Moment vom Gegenteil überzeugen.

Etappe 4: Brixen – Toblach

Tageskilometer: 82 km; Campingplatz: Campingplatz Toblacher See

Zugegeben: Ich war ziemlich lost, wie es weitergehen soll. Richtung Bozen schien irgendwie naheliegend, doch die Campingplätze auf der Strecke sahen alle so Luxus-mäßig aus. Ich hatte Angst, dass ich wieder abgewiesen werde. Weiter den München-Venedig Radweg zu fahren erschien aber auch nicht richtig, denn damit rückte das Ziel auf die Via Claudia Augusta zu wechseln, in weite Ferne. Was also tun? Ich recherchierte und beschloss, der Strecke München-Venedig erstmal zu folgen, aber in den Dolomiten eine kleine Abkürzung einzubauen. Das klingt nach einem Plan. Also los.

Ich fahre wieder zurück nach Franzensfeste, um dann die Strecke von gestern nochmal zu fahren. In Schabs fahre ich aber weiter am Rienz entlang. Die Strecke ist so mittelmäßig schön. Durch’s enge Tal schlängelt sich nicht nur der Fluss und der Radweg, sondern auch eine vielbefahrene Landstraße. Auf der auch noch gebaut wird. Dazu noch eine Bahnlinie und die Geräuschkulisse ist perfekt. Dafür ist der Weg aber recht abwechslungsreich und geht mal direkt an der Straße oder der Bahn entlang, mal am Fluss und mal über die Höhen. Kurz vor Pflaurenz verlasse ich nun den offiziellen München-Venedig Radweg und biege auf die Landstraße in die Dolomiten ab. Und was dann beginnt ist wirklich der tiefste Tiefpunkt meiner Radreisen.

Es beginnt noch alles ganz harmlos mit einem extra Radweg, der aber schon bald endet. Auf der Karte erkennt man jedoch, dass es eine alte Straße gibt, die sich parallel zum Tunnel durch das enge Tal schlängelt. Ich versuche also, diese alte Straße zu fahren. Geht aber nicht, denn umgestürzte Bäume versperren den Weg. Auf der Landstraße donnern derweil die LKW durch die Tunnel. Ich treffe einen Einheimischen, der mir abrät, mit dem Fahrrad weiter zu fahren. Gleichzeitig sehe ich Rennräder durch den Tunnel flitzen. Was also tun? Ich entscheide mich, es zu versuchen und fahre ein Stück durch den Tunnel. Das finde ich aber so unheimlich, dass ich bei der nächsten Gelegenheit rechts ranfahre und beschließe, wieder umzukehren. Also den ganzen Weg wieder zurück. Bergab ist zum Glück einfacher als bergauf.

Zurück auf dem Radweg München-Venedig an der Rienz angekommen, atme ich erstmal erleichtert aus. Aber was jetzt? Ich verbringe ne gute Stunde auf Komoot und entdecke eine alte Bahntrasse durch die Dolomiten. Das ist es. Was ich da noch nicht begriffen habe: Das ist der München-Venedig Radweg.

Also geht’s weiter am Rienz entlang, der weg schlängelt sich über Sanfte Hügel und immer wieder sieht man in der Ferne die Berge. Was man leider auch sieht: Regenwolken. Dicke, schwere Regenwolken. Und so regnet es Nachmittags – die perfekte Gelegenheit, mich in einem italienischen Supermarkt zu verstecken und mir Abendessen und Snacks zu kaufen. Ich kaufe Käse mit Käse, Brot und Nudeln und biege bei Toblach auf die alte Bahnstrecke durch die Dolomiten ein. Und dann erreiche ich den Campingplatz am Toblacher See. Das Wetter ist immer noch ziemlich unbeständig, also beschließe ich, die Nacht dort zu verbringen.

Etappe 5: Toblach – Farra d’Alpago

Tageskilometer: 108 km; Campingplatz: Campingplatz Sarathei

Die wahrscheinlich spektakulärste Etappe auf dem München-Venedig Radweg steht an und ich werde das meiste wohl verpassen, denn die Wolken hängen mal wieder tief und es ist immer mal Regen angesagt. Als ich aufwachte, tröpfelte es bereits meditativ. Ich beschloss, die Gunst der Stunde zu nutzen und verschanzte mich im Badehäuschen, um meine Technik zu laden. Irgendwann bekam ich aber Hummeln im Hintern und ich beschloss im Regen mein Zelt abzubauen und einfach loszufahren. Und kaum hatte ich alles eingepackt, hörte es auf zu regnen und ich konnte ein ganzes Stück im Trockenen fahren. Die Stimmung wahr herrlich und tröstete mich darüber hinweg, keinen Blick auf die ikonischen Drei Zinnen erhaschen zu können. Schlechtes Wetter bedeutet auch leere Wege. Zumindest abseits der Hotspots.

Obwohl der Weg eine alte Bahnstrecke ist, geht’s überwiegend über Schotter. Damit hab ich nicht gerechnet und so komme ich gar nicht so schnell voran, wie geplant. Hier und da gibt’s noch alte Bahnwärter-Häuschen und Tunnel. Und natürlich moderate Steigungen, herrliche Ausblicke, klare Seen und ein paar Ortsdurchfahrten. In San Vito di Cadore regnet es so doll, dass ich mich in einer Bar unterstelle und den ersten und einzigen Cappuccino der Tour trinke. Und ein paar Kilometer in einem alten Bahnhof Mittagspause mache.

Ich stelle ernüchtert fest, dass es gar nicht sooo viele Campingplätze in den Dolomiten gibt und ich noch ein ganzes Stück fahren muss. Und so wird der Nachmittag nicht stressig, aber ziemlich rasant. Irgendwann ist die Bahnlinie vorbei und es geht über sehr ruhige Landstraßen immer abwärts. Die Gegend sieht richtig schön aus und mir tut es Leid, dass ich jetzt da so durchhetze. Aber ich will auch nicht zu spät am Campingplatz ankommen. Und einkaufen muss ich auch noch. Gegen 19 Uhr erreiche ich aber den Platz und baue mein nasses Zelt zum Trocknen auf.

Etappe 6: Farra d’Alpago – Trevisio

Tageskilometer: 89 km; Hotel: B&B Barberia

Es fängt an zu Tröpfeln, als ich das Zelt einpacke. Und regnet so richtig, als ich losfahre. Und der Wetterbericht verspricht auch keine Besserung. Meine Laune ist im Keller und ich frage mich, warum ich mir das antue. Immerhin geht’s die ganze Zeit abwärts. Ich halte meine Augen nach Unterstellmöglichkeiten auf und sammel sie an dem Tag alle: Bushaltestellen, Vordächer von Gebäuden, Friedhöfe, Durchgänge. Hauptsache trocken.

Die Berge sind nun auch Vergangenheit: Wunderschöne, sanfte Hügel säumen den Weg. Dazu viele kleine Dörfer. Weinberge. Kanäle. Felder. Ich würde gerne länger bleiben und mir die Landschaft etwas anschauen. Aber das Wetter treibt mich an, schnell weiter zu fahren. Irgendwann bin ich nass bis auf die Haut. Ich beschließe, dass eine Nacht im Hotel her muss. Alle meine Sachen sind nass und müffeln auch schon. Ich recherchiere in einer Pause und finde ein richtig schönes, familiäres B&B. Noch 3 andere Wanderer*innen sind Gäste. Wir haben das Stadthaus also fast für uns alleine. Ich fühle mich wie Zuhause und genieße die Bewunderung, aber auch das Mitleid des Gastgebers. Abends gehe ich Pasta alla Norma essen und es gibt gleich zwei Mal Eis. Es fühlt sich plötzlich wirklich nach Urlaub in Italien an.

Etappe 7: Trevisio – Venedig

Tageskilometer: 64km; Hostel: DODO-Ostello Santa Fosca

Venedig ist nicht mehr weit. Und deshalb frühstücke ich gemütlich in der Unterkunft, quatsche mit dem Gastgeber und den anderen Gästen. Wenn ich ehrlich bin, fühle ich mich hier so wohl – ich würde auch noch ein paar Tage hier bleiben. Aber mein Ziel ist ja Venedig.

Auch heute geht’s wieder am Fluss entlang. Die Sile schlängelt sich genüsslich durch Felder und kleine Städtchen. Besonders beeindruckend finde ich den alten Schiffsfriedhof vor den Toren Trevisios. Und dann geht’s auf Schotter immer weiter am Fluss entlang. Bis ich Quarto d’Altino erreiche – hier gabelt sich der Weg: Die wahrscheinlich schönere Tour folgt dem Fluss und umrundet die Lagune. Die kürzere und wahrscheinlich hässlichere Tour biegt in Richtung Venedig ab und steuert gerade drauf zu.

Ich hab’s irgendwie doch etwas eilig und fahre direkt nach Venedig. Das Stück ist echt nicht schön, erst geht’s über Felder und dann durch’s Industriegebiet. Aber es ist halb so schlimm, es ist nämlich nicht so lang. Und dann ist sie plötzlich da: Diese lange Brücke durch die Lagune rüber nach Venedig. Und dann ist es geschafft!

Venedig mit dem Fahrrad

In Venedig ist Fahrradfahren verboten – kein Wunder, die ganzen Brücken und engen Gassen wären auch absolut kein Spaß. Daher gibt es direkt an der Brücke einen Fahrradparkplatz – hier kann man das Rad für 10 Euro pro Tag in Boxen einstellen. So kann man sich ganz bequem die Stadt anschauen.

Man kann das Fahrrad auch über die große Brücke „Ponte della Costituzione“ zum Bahnhof Santa Lucia schieben und dort in den Zug einsteigen. Und das war’s auch schon.

Alpenüberquerung – Einfach machen!

Wenn du mit einer Alpenüberquerung liebäugelst und du dich fragst, ob du fit genug bist, dann ist München-Venedig bestimmt die richtige Wahl. Ich fand es ähnlich anstrengend wie die Alpe Adria, aber deutlich einfacher als den Eurovelo 5 durch die Schweiz.

Und ansonsten kann ich dir nur empfehlen: Einfach machen. Eine Alpenüberquerung ist grandios. Sie ist körperlich herausfordernd, macht Spaß, bringt dich an deine Grenzen und zeigt dir, was du alles kannst.

München-Venedig auf Komoot

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