Eine Woche Radfahren wie Gott in Frankreich – La Voie Bleue

La Voie Bleue, Von Schengen nach Lyon

Wenn man so Fahrrad-verrückt ist, wie ich, hat man auch ziemlich viele Freund*innen, die das Hobby teilen. Und so fragte ich irgendwann letztes Jahr auf einer Party eine Freundin, welchen Radweg sie mir denn empfehlen könnte. La Voie Bleue. Ich war sofort überzeugt. Also ab nach Frankreich! Bei dem La Voie bleu dreht sich alles ums Thema Wasser – kein Wunder, übersetzt heißt der Radweg „der blaue Weg“. Es geht zunächst an der Mosel entlang, dann am Vogesen-Kanal und schlussendlich an der Saône bis nach Lyon. Insgesamt sind es 700km, die man durchaus in 7 Tagen schaffen kann. Aber man kann sich auch mehr Zeit lassen, denn am Wegesrand gibt’s ganz schön viel zu entdecken. Und Radfahren in Frankreich ist ziemlich grandios: Die Beschilderung ist meist super, Auto-Fahrer*innen nehmen viel Rücksicht und die Dichte an Camping-Plätzen ist auch ziemlich gut. Perfekt für eine Woche Bikepacking!

Pain au Chocolat
Woran denkt ihr, wenn ihr an Frankreich denkt?

An- und Abreise: So kommst du hin und aus Frankreich mit dem Zug wieder zurück

Anreise: Der Radweg La Voie Bleue beginnt im Drei-Länder-Eck Luxembourg, Frankreich, Deutschland – der nächste Bahnhof ist Perl. Hierhin kommst du recht komfortabel mit dem Zug. Erst bin ich von Köln nach Koblenz gefahren und dann mit dem RE nach Trier. Und von Trier fährt dann der Zug nach Perl. Die Strecke ist ein Traum: Es geht immer an der Mosel entlang, Weinberge, kleine Örtchen und Felsen ziehen am Fenster vorbei.

Abreise: Wenn du nicht monatelang im Voraus einen Platz im TGV reserviert hast, kannst du mit dem französischen Regionalverkehr (TER) zurück fahren. Das geht erstaunlich gut, dauert nur sehr lang. Meine Verbindung sah an einem Sonntag so aus:

  • 7:16 Lyon > Dijon
  • 11:00 Dijon > Nancy
  • 13:50 Nancy > Luxembourg
  • 15:33 Luxembourg > Koblenz
  • 18:16 Koblenz > Köln

Alle Züge hatten viel Platz für Fahrräder, waren klimatisiert und nie wirklich voll. Ich hatte immer einen Sitzplatz. Außerdem gibt’s an Französischen Bahnhöfen (zumindest im Sommer) kostenloses Wasser und Toiletten. Wenn du also Zeit, würde ich dir die Rückfahrt mit dem TER empfehlen. In der Sommersaison muss man jedoch für den ersten Zug von Lyon nach Dijon einen kostenlosen Fahrrad-Stellplatz reservieren. Das find ich ganz gut, so ist wenigstens garantiert, dass man einen Platz bekommt.

Fahrradfahrerin auf dem Voie Bleue
Traumhafte Wege auf dem Voie Bleue, meist am Wasser entlang

Verpflegung, Camping, Routenplanung

Radfahren in Frankreich ist ziemlich luxuriös. In der Regel sind die Radwege wirklich gut ausgeschildert, falls es mal über die Landstraße geht, halten die Autos viel Abstand und allgemein ist auf den Straßen recht wenig los. Am La Voie Bleue gibt’s nicht nur viele kleine Orte, in denen man einkehren kann, sondern es gibt auch immer wieder kleine Cafés und Bars, die sich auf Radfahrende spezialisiert haben und direkt am Wegesrand liegen. So kann man ganz bequem und ohne große Planung einfach fahren und immer mal wieder eine kleine Pause einlegen.

Ich hatte hohe Erwartungen, als ich nach Campingplätzen entlang der Strecke gesucht habe. Mir wurden nämlich paradiesische Zustände angekündigt. Leider ist meine Erfahrung ziemlich durchwachsen: Manche Campingplätze waren wirklich schön, modern, sauber mit Shop und Restaurant und dazu noch günstig. Manche Campingplätze waren allerdings auch ziemlich alt und in die Jahre gekommen. Wer großen Wert auf schöne Plätze legt, sollte definitiv etwas mehr recherchieren. Und Achtung: Oft haben die Campingplätze kein Toilettenpapier – also unbedingt eine Rolle einpacken!

Die Routenplanung kann man auf dem La Voie Bleue ganz locker angehen: Der Weg ist super ausgeschildert und da es immer nur am Wasser entlang geht, kann man sich im Grunde auch nur schwerlich verfahren.

Radfahrerin, die aus einer Flasche trinkt. Im Hintergrund ein See
Pausenpätze, Cafés, Restaurants und Campingplätze gibt’s am Wegesrand genug

La Voie Bleue in 7 Tagen

Ganz zu Beginn: Man muss die 700km nicht in 7 Tagen runter reißen. Ich würde sogar so weit gehen und es wirklich nicht empfehlen, denn: Es gibt so viel am Wegesrand zu entdecken und zu sehen. Und eigentlich haben die ganzen Städtchen und Dörfer es verdient, mit einem Kaffee und einem Pain au Chocolat in einem Café gewürdigt zu werden.

Etappe 1: Schengen/Perl – Corny-sur-Moselle, ca. 80km

Ich bin den halben Tag Zug gefahren und komme voller Vorfreude in Perl am Bahnhof an. Hier ist der Startpunkt vom La Voie Bleue. Aber sonst gibt’s hier nichts. Also schnell an die Mosel und los. Während es an der Mosel in Deutschland sehr viele Weinberge und Hügel gab, wird die Landschaft wieder flacher und leicht unspektakulär. Es geht immer an der Mosel entlang, die sich hier sanft durch die Gegend schlängelt. Es ist elendig heiß, daher gibt’s auch recht fix hinter der Grenze die erste Pause in einem Restaurant, wo es kaltes Wasser gibt.

Nach Thionville wird die Strecke deutlich industrieller, die Mosel ist teilweise wie ein Kanal ausgebaut, teilweise wird die Mosel von einem Kanal begleitet. Viel früher als gedacht erreiche ich Metz – die letzten Kilometer haben sich natürlich gezogen wie Kaugummi. Ich suche erstmal einen Supermarkt, genieße die dortige Klimaanlage und kaufe Snacks und Abendessen ein. Und dann die Frage aller Fragen: Noch ein Stück weiter fahren oder in Metz auf dem Campingplatz übernachten? Ich entscheide mich für’s Weiterfahren und lande in Corny-sur-Moselle auf einem Campingplatz. Der Platz ist nichts besonderes, aber auch nicht schlecht. Neben anderen Radreisenden baue ich mein Zelt auf und esse Tajine aus der Dose.

Etappe 2: Corny-sur-Moselle – Charmes, ca. 100km

Auf dem Campingplatz konnte man Croissants vorbestellen. Das Angebot hab ich natürlich gerne angenommen und freue mich über ein Pain-au-Chocolat und ein Croissant zum Frühstück. Das ist Urlaub in Frankreich. Ansonsten soll es wieder heiß werden. Also morgens nicht, wie sonst immer, 2 Stunden gemütlich frühstücken, Instagram Storys posten, einpacken und losfahren. Sondern: Alles ein bisschen schneller und Instagram erstmal Instagram sein lassen. Ich schaffe es doch tatsächlich um kurz nach 8 los zu kommen. Es ist noch herrlich kühl und es geht auf schattigen Wegen immer Richtung Süden. Der Radweg ist richtig schön – nicht spektakulär, aber schön. Und es gibt immer mal wieder Info-Schilder, die zeigen, was man alles in der Gegend anschauen kann und auf welchem Teil der Strecke man sich befindet. Richtig cool!

Es geht durch Dörfer, an Seen vorbei und immer wieder über Schleusen. Am Schönsten wird’s als links die Mosel und rechts der Kanal ist und der Radweg La Voie Bleue direkt zwischendurch führt. Die Mosel wird immer flacher und gleicht immer weniger einem Fluss.

Gegen Mittag erreiche ich Nancy, wo ich erstmal Mittag esse. Was gar nicht so einfach ist, denn die Franzosen essen gerne Fleisch. Ich bin aber Vegetarierin. Und dann finde ich doch tatsächlich einen Supermarkt, der noch auf hat, obwohl Sonntag ist. Das war so nicht geplant, aber ich nehme die Einkaufsmöglichkeit gerne mit. Insbesondere kalte Getränke retten mir bei der Hitze die Laune. Die Mosel macht eigentlich einen riesigen Bogen um Nancy, Nancy liegt selbst an der Meurthe. Hinter Nancy verlasse ich die Meurthe, um wieder an die Mosel zu kommen: Es geht über den Canal de jonction de Nancy wieder zurück an die Mosel.

Wer denkt, dass ein Radweg am Kanal immer Flachland bedeutet, liegt allerdings falsch: Der Kanal erklimmt mit vielen Schleusen einen Bergrücken, es geht also ein gutes Stück bergauf. Und dann auch wieder ein gutes Stück bergab. Ganz schön beeindruckend, was die Franzosen hier in den Fels gehauen haben. Ebenso beeindruckend ist, die Kanalbrücke bei Flavigny-sur-Moselle: Hier wird der Kanal als Brücke über die Mosel geführt. Ganz schön krass.

Fahrrad, das an einem alten Schleusenwärter-Häuschen lehnt
Verliebt in diese alten Häuschen

Der La Voie Bleue folgt überwiegend dem Canal de L’Est, mal im Schatten, mal in der Sonne. Bänke gibt’s kaum. Und umso froher war ich, als ich Charmes erreichte. Denn hier gibt’s einen Campingplatz (Camping Les Iles). Den ich auch wirklich empfehlen kann!

Etappe 3: Charmes – Baulay, ca. 120km

Es hat etwas abgekühlt. Zum Glück, denn heute steht eine lange Etappe an. Denn hinter Épinal ist das Land dünn besidelt, es gibt kaum große Städte. Von Campingplätzen ganz zu schweigen. Es geht erstmal mit ordentlich Gegenwind den Kanal hoch. Und auch wieder gibt es eine Kanal-Brücke über die Mosel (hier), aber ich bin schon fast dran gewöhnt und daher bin ich auch nicht mehr ganz so beeindruckt.

Kurz vor Épinal verlasse ich die Mosel letztendlich, um dem Canal de L’Est Richtung Westen zu folgen. Es beginnt ein sehr schöner, aber auch sehr ruhiger Abschnitt. Der Kanal wird heute kaum noch genutzt und wenn dann eher von Ausflugsbooten. Auch klettert der Kanal ziemlich den Hügel hoch, was ich immer noch ziemlich beeindruckend finde. Und dann ist sie endlich geschafft: Die „Passhöhe“. Ein Schild weist mich daraufhin, dass ich die Wasserscheide Mittelmeer-Nordsee übertrete. Ab jetzt fließt alles Wasser in Richtung Mittelmeer. Leider sieht man von der Gegend, die der Kanal durchquert nicht so viel. Und ebenso leider sind auf der Strecke Bänke (und besonders Bänke im Schatten!) Mangelware, sodass ich mich immer wieder in den Schatten der Schleusen-Wärter-Häuschen setze. Aber: Es gibt auch Ausnahmen, so wie der Pausenplatz bei Uzemain (Google Maps), wo es einen Trinkbrunnen, eine Toilette, eine Sitzgruppe und sogar Werkzeug gab.

Rastplatz am Radweg
Rastplatz am La Voie Bleue mit Wasser, Toilette, Werkzeug und Sitzgruppe: Bitte mehr davon!

Ich durchquere Fontenoy-le-Château, ein Ort, der ausgestorben und verlassen wirkt. Alle Geschäfte sind leer und alle Fensterläden geschlossen. Unheimlich. Am Ende des Tages erreiche ich die Saône und damit den letzten Fluss für diese Tour. Kurz vor Ende verfahre ich mich dann noch ordentlich. Für ein Stück geht der Radweg nicht am Fluss entlang, doch was die Alternative ist? Keine Ahnung. Ich kletter die umliegenden Hügel hoch und freue mich, dass ich erstens noch so gut die Hügel hochkomme und zweitens, dass man sogar die Vogesen sehen kann. Wow! Ich erreiche den kleinen Campingplatz in Baulay (Google Maps) – der unheimlich schön und schrecklich gleichzeitig ist. Schön ist die Lage: Auf einem Bauernhof zwischen Obstbäumen. Schrecklich sind die Toiletten, denn es sind nur diese zu Hocken, die man aus dem Mittelmeer-Raum kennt. Na super!

Etappe 4: Baulay – Pontailler-sur-Saône, ca. 120km

Wie friedlich kann ein Zeltplatz sein? Ich genieße kurz die morgendliche Stille, bevor ich meine Sachen einpacke und losfahre. Der Weg an der Saône ist auf jeden Fall viel abwechslungsreicher, als am Kanal. Es geht über Felder und Wiesen, durch Wälder und kleine Orte. Und man sieht so richtig viel von der Landschaft. Irgendwann macht mein Fahrrad komische Geräusche. Nach etwas rätseln fällt mir ein: Ich hab meine Kette vor Abfahrt gar nicht geölt. Wie gut, dass ich immer eine kleine Flasche Ketten-Öl dabei habe!

Kanal der durch einen Tunnel geht
Ganz schön beeindruckend, was die Franzosen hier gebaut haben
Tunnel-Einfahrt
Tunnel-Einfahrt: Ganz schön lang und beeindruckend!


Bei Saint Albin (Google Maps) gibt’s das nächste beeindruckende Bauwerk der französischen Wasserbauer: Ein Kanal durch einen Tunnel. Damit wird die Schleife, die die Saône macht, abgekürzt. Und damit ist ungefähr die Hälfte der Strecke geschafft. Wow! Ich freue mich, denn in meinen Augen wird es immer schöner. In Savoyeux gibt’s schon wieder einen Tunnel (Google Maps). Und wieder bin ich ziemlich beeindruckt. Jetzt hätte ich gerne ein Boot!

Um Gray herum hat es wohl die letzten Tage über ziemlich gestürmt, denn überall liegen umgeknickte Bäume auf dem Weg. Aber ich bin zum Glück nicht die einzige Radreisende, sodass ich immer wieder helfende Hände finde, die mir über die Bäume helfen. Gegen Ende des Tages geht’s nochmal in die Hügel und ich genieße die Aussicht, bevor ich nach 120km in Pontailler-sur-Saône auf einem in die Jahre gekommenen Campingplatz (Google Maps) ankomme.

Etappe 5: Pontailler-sur-Saône – Seurre, ca. 77km

Die heutige Etappe des La Voie Bleue führt viel über Straßen und durch Dörfer und wenig am Fluss entlang. Finde ich aber zur Abwechslung mal ganz cool, so sehe ich wenigstens etwas von der Französischen Landschaft. Die erste Frühstückspause mache ich in Auxonne, direkt am Wasser im Schatten der Festung. Ich nutze die Gelegenheit, um mal alle meine Sachen auszubreiten und zu trocknen. Es ist der 5. Tag, es ist hügelig, es ist heiß. Kurz: Ich merke so langsam die Anstrengung.

Zum Glück erreiche ich schon bald wieder die Saône, sodass das Höhenmeter-Sammeln ein Ende hat. In Saint-Jean-de-Losne verlasse ich kurz den Weg und fahre in den Ort. Das Ziel: Kalte Getränke. Und ich schaffe es doch tatsächlich, ein alkoholfreies Bier und eine Flasche kaltes Wasser auf Französisch zu bestellen. Ich bin sehr stolz, dass mein sehr eingerostetes Schul-Französisch wieder zu Tage tritt. Ungefähr eine Stunde sitze ich im Schatten und genieße die kalten Getränke, bevor es auf einen sehr anstrengenden Abschnitt geht: Der Voie-Bleue führt immer am Kanal entlang, es gibt keinen Schatten, kaum Brücken. Die Sonne grillt und der Weg ist eintönig. Wie elendig. Ich beschließe, einen kürzeren Tag zu machen und den Campingplatz in Seurre (Google Maps) anzusteuern.

Das ist eine hervorragende Idee, denn neben an ist ein Freibad. Und so fahre ich über Landstraßen an Lavendel vorbei durch die Hitze und bin ziemlich erleichtert, als ich Seurre gegen 16 Uhr erreiche, Schnell das Zelt aufbauen und dann ab ins Freibad. Und dann ist kurz Urlaub: Für’s Schwimmen bin ich viel zu müde, aber um im Schatten zu liegen ist es perfekt.

Abends zieht ein Sturm auf und ich bekomme Angst im Zelt. Also stehe ich auf, verlasse das Zelt und setze mich ans Badehäuschen. Hier warte ich eine Stunde, bis der Sturm vorüber ist. Als ich wieder ins Zelt klettere, stelle ich den Wecker aus und nehme mir vor, so lange zu schlafen, wie ich kann.

Etappe 6: Seurre – Fleurville, ca. 96 km

Der Tag startet spät und müde. Erst um 10 Uhr bin ich startklar. Aber lieber etwas ausgeschlafener, als völlig übermüdet. Die Nacht war einfach nur mies. Nach meinem kleinen Aufenthalt am Badehäuschen, regnete es noch ziemlich heftig, was mich nicht schlafen ließ.

Aber immerhin hat es sich deutlich abgekühlt. Leider ist es dazu ziemlich windig. Der Weg streift den Doubs ganz kurz und ich kaufe mir in Verdun-sur-le-Doubs ein bisschen Obst auf dem Markt. Der Vorsatz gesünder zu essen, klappt auf jeden Fall sehr gut! Der Doubs mündet ziemlich schnell in die Saône, die ein richtig breiter Fluss ist. An diesem Tag streift der Voie Bleue die Orte nur und ich bin einfach nur froh, dass es trotz Gegenwind recht schnell voran geht. Ich bin müde und erschöpft.

Umso erleichterter war ich, als ich in Fleurville auf einem Niederländischen Campingplatz (Google Maps) ankam. Hier haben nicht nur alle Niederländisch gesprochen, sondern es gab auch eine echte Frituur mit Pommes Spezial und Kaassoufflé. Natürlich blieb meine Küche daher kalt. Was gibt’s besseres als Niederländische Pommes?

Etappe 7: Fleurville – Lyon, 104km

Endspurt und letzter Tag auf dem La voie bleue! Zum Frühstück hab ich das Tee-im-Schlafsack-Trinken nochmal richtig genossen und mir etwas mehr Zeit, als in den letzten Tagen genommen. Und dann hab ich ein letztes Mal mein Zelt abgebaut, alles verstaut und bin los. Schnell hab ich gemerkt, dass mein Körper die letzten Tage nicht so gut verkraftet hat: Ich habe zwei schmerzende Scheuerstellen im Intimbereich, die ich bei jedem Tritt merke. Ja super. Also versuche ich meine Sitzposition so zu verändern, dass ich kaum Gewicht im Sattel habe. Ich fahre also überwiegend im Unterlenker – was den Nebeneffekt hat, dass ich deutlich schneller bin und es viel weniger Energie kostet, vom Fleck zu kommen. Ganz schön praktisch.

Der Weg gibt auf den letzten Kilometern noch mal alles. Es tauchen Hügel am Horizont auf, die Strecke geht über Kuhwiesen und feinste Schotterstraßen. Am Wegesrand gibt es immer wieder Bars, in denen ich kaltes Wasser mit Sirup trinke, um mich abzukühlen. Am Rand der Saône gibt es immer wieder kleine Dörfer, die den Hang hinauf gebaut wurden. Um jedes Klischee einer Bikepacking-Tuur in Frankreich zu erfüllen, setzte ich mich zur Mittagspause in den Schatten und schmiere mir mit einem Opinel Weichkäse auf Cracker.

Und dann geht’s wie so oft ganz schnell: Kurz vor Lyon geht der Weg nochmal ein ganzes Stück über einen Radweg an einer Landstraße, auf der recht viel Verkehr ist. Und dann tauchen auch die ersten Häuser am Horizont auf. Es geht durch die Stadt, immer am Fluss entlang, zur Mündung von Saône und Rhône. Und dann ist meine Woche Bikepacking in Frankreich auch schon vorbei.

In Lyon schlafe ich im Hotel (Campanile auf Google Maps), denn Campingplätze sind hier rar. Die Stadt ist grandios und so bin ich froh, dass ich noch einen Tag habe, bevor der Zug nach Hause geht.

Lyon von oben
Lyon ist ganz großartig

Die Strecke auf Komoot

Du suchst noch mehr Inspiration zum Bikepacking?

Falls du Lust auf eine Tour hast, bei der das Wasser auch im Vordergrund steht, du aber nicht so lange unterwegs bist und eine kürzere Anreise hast (je, nachdem woher du kommst): Wie wäre es mit der Drei-Flüsse-Tour (Rhein, Ahr, Erft)? Perfekt für ein Wochenende!

Und falls du Lust auf eine andere Ecke von Frankreich hast: Diese beiden Touren in der Pfalz starten/enden jeweils in Wissembourg: Kraut-Und-Rüben-Radweg und Pfälzer Weinstraße. Beide sind besonders im Frühling grandios!

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One Comment

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