Reisefotografie: Selbstporträts mit und ohne Stativ fotografieren
Auf Reisen Selbstporträts zu fotografieren ist die Königsdisziplin der Reisefotografie: Aber es lohnt sich! Denn besonders, wenn du alleine reist, wirst du dich am Ende sehr darüber freuen, Fotos von dir zu haben. Für mich sind das ganz besondere Erinnerungsfotos! Aber auch, wenn du mit deiner Familie oder Freunden unterwegs bist, kannst du Selbstporträts von dir und der Gruppe schießen.
Mit ein wenig Übung und dem Auge für gute Foto-Möglichkeiten wirst du schon bald in der Lage sein, deine eigenen schönen Selbstporträts während deiner Reisen zu machen.

Die richtige Kamera für Selbstportraits
Auch, wenn ich immer predige, dass die Kamera gar nicht sooo wichtig ist – bei Selbstporträts kann man sich das Leben mit der richtigen Kamera auf jeden Fall einfacher machen! Ideal sind Spiegelreflexkameras oder spiegellose Systemkameras. Mit diesen Kameras kannst du den Fokus individuell steuern. Auch kannst du meist einen Fernauslöser verbinden und einen Timer stellen. Mit dem Handy habe ich bisher noch keine schönen Selbstporträts hinbekommen, da ich hier den Fokus nicht so sauber setzen kann (s.u.). Wobei Handys mittlerweile durch die Technik echt aufholen! Vielleicht revidiere ich in ein paar Jahren (Monaten!?) meine Aussage.
Wenn du überlegst, dir eine neue Kamera für die Reisefotografie anzuschaffen, dann achte auf Folgendes:
- Schwenkbares Display: Achte darauf, dass man das Display so schwenken kann, dass man auch das Display sehen kann, wenn man vor der Kamera steht. Man muss hier natürlich nicht jedes Detail erkennen können, aber grob sollte man abschätzen können, ob man im Bild ist oder nicht.
- Gesichts-Autofokus: Eine Kamera, die automatisch auf dein Gesicht scharfstellt, ist Gold wert. Das erspart die so viel Frust über unscharfe Fotos.
Hier habe ich ein paar Fotos on Cinque Terre von mir gemacht. Meine Tipps für diese (leider recht überlaufene Ecke) findest du in diesem Blogpost.


Im richtigen Moment auslösen
Das Schöne am Selbstportrait ist, dass du genau das Foto von dir machen kannst, was du im Kopf hast. Ohne die Idee jemand anderen erklären zu müssen. Dafür muss die Kamera im richtigen Moment auslösen und den den Fokus treffen. Das Auslösen ist in der Regel die einfachere Übung – du hast zwei Möglichkeiten:
1) Fernauslöser oder Handy (mit App)
Ein Fernauslöser ist praktisch, wenn du dich in Ruhe in Position bringen möchtest: Du verbindest ihn mit deiner Kamera, gehst in Position und löst aus. Fertig ist das Foto. Die neueren Kameras bieten auch oft die Möglichkeit, über’s Handy und einer entsprechenden App die Kamera fernzusteuern. Ich nutze mal den Fernauslöser, weil er leichter in der Hand liegt. Und mal das Handy. Den Fernauslöser nutze ich, wenn ich mich langsam/gar nicht bewege, z.B. wenn ich bei einer Pause irgendwo sitze und man das Handy nicht sehen soll. Das Handy nutze ich, wenn ich das Handy leicht verstecken kann, damit man es nicht so prominent sieht.
2) Intervallfunktion
Die meisten Kameras haben eine Intervall-Funktion. Hier werden in einem gewissen Abstand eine bestimmte Anzahl an Fotos geschossen. Ich nutze die Intervall-Funktion besonders oft beim Radfahren – ich finde es super praktisch, viele Fotos von der Situation zu haben. Dadurch, dass ich mich schnell bewege, sind die Unterschiede zwischen den Fotos erheblich.


Die Sache mit dem Fokus
Die eine Sache, die mir früher am meisten Kopfzerbrechen gebracht hat: Wie fokussiere ich, dass ich scharf bin – der Rest des Bildes aber in Unschärfe getaucht wird? Besonders mit einer Kamera, die keinen Gesichts-Autofokus hat. Am Ende ist es wie so oft: Mit etwas Übung gar nicht mehr sooo schwer. Ich nutze meist zwei Methoden:
1) Auf einen Gegenstand auf dem Boden fokussieren
Besonders, falls deine Kamera keinen Gesichts-Autofokus hat, ist diese Methode praktisch und unkompliziert: Nachdem ich meine Kamera auf ein (natürliches) Stativ gestellt und so ausgerichtet habe, dass mir der Bildausschnitt gefällt, suche ich einen Gegenstand auf dem Boden, auf den ich fokussieren kann. Das kann ein Blatt, eine Wurzel oder meine Trinkflasche (die ich dort hingestellt habe) sein. Hierauf fokussiere ich nun manuell. Nun nutze ich meinen Fernauslöser oder die Intervall-Funktion und gehe genau zu dem Punkt, auf den ich fokussiert habe. Genau dort posiere ich dann. Hier ist die Genauigkeit durchaus wichtig, denn der Bereich der scharf ist, ist je nach Objektiv weniger als einen Meter tief – aber dazu an anderer Stelle mehr! Ich nutze diese Methode dann, wenn ich ein gut sichtbares Objekt finde, auf das ich fokussieren kann und wenn es eher schnell gehen soll.
2) Gesichts-Autofokus nutzen
Zu verstehen, wie der Autofokus seiner Kamera ganz genau funktioniert, ist für diese Methode essentiell. In der Theorie ist die Methode super einfach: Die Kamera auf Gesichts-Autofokus stellen und mit Hilfe des Fernauslösers Fotos machen. In der Realität braucht diese Methode etwas Übung. Aber es lohnt sich! Denn wenn man einmal verstanden hat, wie’s geht, ist das eigene Gesicht auf Fotos immer scharf. Hier für ist es wichtig, die eigene Kamera wirklich gut zu kennen. Also mit ihr viel herum zu probieren, verschiedene Einstellungen zu testen und sich diese zu merken.
Ein Thron für die Kamera: Das (natürliche) Stativ
Wichtigster Ah-ha-Moment direkt vorab: Du musst kein schweres Stativ mit dir herumschleppen, um während einer Reise schöne Selbstportraits von dir zu machen. Oft findest du in der Natur „natürliche“ Stative, auf die du deine Kamera stellen kannst:
Selbstporträts ohne Stativ: Natürliche Stative finden
Ich finde, beim Wandern ist es am einfachsten, den Blick für natürliche Stative zu schärfen. Halte die Augen nach folgenden Dingen auf:
- Weidezäune und deren Pfähle. Oft kann man hier nah am Weg die Kamera platzieren.
- Bänke und Mülleimer. Manchmal muss man sich noch mit dem Rucksack oder der Fahrrad-Tasche eine Kamera-Erhöhung bauen, aber zumindest Bänke gibt’s ja oft.
- Wander-Weg-Markierungen. Besonders auf Wiesen sind Wanderwege oft mir Pfählen markiert. Jenachdem, wie dick diese sind, kann man super die Kamera drauf stellen.
- Baumstämme, hier kann man auch super die Kamera drauf legen.
- Stark abschüssiges Gelände. Gib es große Höhenunterschiede, kann man die Kamera „oben“ auf eine Tasche stellen oder entsprechend mit Ästen und Steinen ausrichten. Dann läuft man nach unten und macht ein Foto von sich.
Selbstporträts mit Stativ
Du kannst dir die Reisefotografie natürlich auch einfach machen und ein Stativ mitnehmen. Für mich funktioniert am besten, ein kleines, leichtes Reisestativ mitzunehmen. Das kann man zwar nicht auf Brusthöhe ausfahren, sondern nur so maximal auf irgendwas zwischen Knie- und Hüfthöhe. Aber für mich reicht das total. Und außerdem passt so ein kleines Stativ auch perfekt in meine Kameratasche am Fahrrad. Ich habe das Rollei Compact Traveller Mini.

Erreichbarkeit der Fotografie-Ausrüstung
Du hast alles mitgenommen und doch kein Foto von dir selbst gemacht? Kenne ich sehr gut. Für mich ist entscheidend, dass die Sachen, die ich für die Reisefotografie brauche immer sehr gut erreichbar sind. Deshalb habe ich beim Radfahren zwei kleine Taschen am Lenker – in einer ist meine Kamera, in der anderen mein Stativ. Beim Wandern habe ich die Kamera immer mit einem Schultergurt um und das Stativ liegt oben in meinem Rucksack oder außen angebunden.
Alles zum Thema Reisefotografie beim Wandern und Bikepacking
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Reisefotografie lernen: Spannende Fotos mit jeder Kamera
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