Bikepacking: Herbstzauber in den Ardennen

Herbst-Bikepacking in den Ardennen und der Eifel

Für mich endet die Bikepacking-Saison nie, egal ob Frühling, Winter oder eben Herbst. Ich bin immer draußen. Und so war ich direkt Feuer und Flamme, als mir Julia (VeloSlowTravels auf Insta) vorschlug, mit ihr in die Ardennen zu fahren. Ich liebe diesen schroffen Teil von Belgien, mit den knackigen Anstiegen, den saftigen grünen Wiesen und den vielen alten Bahntrassen, die nun Radwege sind. Um Kilometer zu sparen, sind wir von Köln aus mit der Bahn nach Jünkerath in die Eifel gefahren. Von dort aus ging’s über die Vennquerbahn, die Vennbahn und entlang der Ourthe nach Lüttich – hier brachte uns dann der ICE wieder zurück nach Köln.

Inhaltsverzeichnis

An- und Abreise: Bequem mit der Bahn

Wenn du aus Köln und Umgebung kommst, ist die Anreise ziemlich entspannt: Du fährst mit dem Regionalexpress nach Jünkerath und dann kann’s am Bahnhof direkt losgehen. Und zurück geht’s am Lüttich. Hier hast du mehrere Möglichkeiten: Du kannst dir im Voraus einen ICE buchen und ohne Umsteigen direkt nach Köln fahren. Oder aber du fährst mit dem Nahverkehr von Lüttich nach Aachen und von dort aus dann mit dem Regionalexpress nach Köln. In der Regel ist der ICE doppelt so schnell, wie der ICE und du musst nicht umsteigen. Wenn du frühzeitig buchst, ist der ICE auch nicht viel teurer, als ein Ticket der Belgischen Bahn.

Ein verlängertes Wochenende Herbstzauber in den Ardennen

Etappe 1: Jünkerath- Burg Reuland

Los geht’s direkt am Bahnhof – es geht auf einer alten Bahntrasse – die Vennquerbahn – einmal bis nach Belgien. Der Radweg schmiegt sich in die sanfte Hügellandschaft, sodass sich die Steigungen in Grenzen halten. Hier und da wird man mit einer Aussicht über die weiten Hügel der Eifel belohnt. Kurz vor Kronenburg gibt es eine Freilichtgalerie mit vielen unterschiedlichen Gemälden. Hier lohnt sich auf jeden Fall ein kurzer Stopp. Die alte Bahntrasse umfährt oftmals die Orte, daher müsst ihr eure Mittagspause etwas planen. Wir sind in Büttgenbach vom Radweg runter und in das Dörfchen gefahren. Hier haben wir im Cafe Belicious Boutique 4750 eine lange Mittagspause eingelegt. Hier gibt’s überwiegend Produkte aus Belgien – der perfekte kulinarische Auftakt!

Kurz hinter Büttgenbach zweigt die Vennquerbahn auf die Vennbahn ein – die Vennbahn hat früher Aachen mit Luxemburg verbunden. Heute ist sie einer der längsten grenzüberschreitenden Radwege. Aber es geht nicht Richtung Aachen, sondern Richtung Luxemburg – also noch ein wenig den Hügel hinauf. Hinter Weywertz beginnt mein Lieblingsabschnitt der Vennbahn: Man hat das Plateau mehr oder minder erreicht und der Weg schlängelt sich durch eine beeindruckende Hochlandschaft. Hier gibt’s immer wieder kleine Bäche, Moore, weite Wiesen und dichte Wälder. In Burg Reuland endet der erste Tag im Hotel.

Etappe 2: Burg Reuland – Laneuville-au-Bois

Es geht im strömenden Regen los – erst hatten wir überlegt, uns noch etwas im Hotel zu verstecken. Aber hilft ja nichts. Also zurück auf die Vennbahn. Bis zur Luxemburgischen Grenze ist es zum Glück auch nicht mehr weit. Nur doof, dass die sich auf einem Hügel befindet. Nach einem kurzen Selfie im Regen vor dem Grenzschild fahren wir schnell weiter, denn hinter der Grenze wartet ein kleines Pausenhäuschen auf uns. hier gibt’s erstmal ein zweites Frühstück. Wir verlassen die Vennbahn und wechseln auf die nächste Bahntrasse. Der Weg dorthin ist zum Glück kurz, denn den Ardennen sind ziemlich hügelig. Wir verlassen also Luxemburg wieder und biegen hinter der Grenze auf den RAVeL 163 ein, der uns bis nach Bastogne bringt. Für die Radsport-Begeisterten: Ja, das Bastogne, das für das Radrennen Lüttich-Bastogne-Lüttich bekannt ist. Aber, da wir viel über alte Bahntrassen fahren, ersparen wir uns die berühmt-berüchtigten Höhenmeter. Wir treffen auf dem Weg andere Radreisende, mit denen wir uns den Weg frei kämpfen. Denn der starke Wind der letzten Tage hat zahlreiche Bäume umgeweht und die liegen jetzt auf dem RAVeL-Weg.

Bastogne ist nicht nur wegen des Radsports bekannt. Es war im zweiten Weltkrieg hart umkämpft. Der Krieg ist noch an zahlreichen Stauen, Bunkern und sogar Panzern erkennbar. Das ist ein ziemlich beklemmendes Gefühl. Nach einer kurzen Kuchen-Pause (die Patisserie in Belgien steht der französischen in Nichts nach) geht’s noch ein paar Kilometer über den RAVeL-Weg, den wir aber bei Sibret verlassen. Ab hier geht’s auf dem Eurovelo 5 durch die Ardennen. Habe ich schon erwähnt, dass die Ardennen ziemlich hügelig sind? Schon bald erreichen wir auch die Ourthe, die wir nun bis nach Lüttich begleiten werden. Doch gegen Ende geht’s nochmal ordentlich den Hügel hoch nach Laneuville-au-Bois, wo ein gemütliches B&B (Le Prangeleux) auf uns wartet.

Etappe 3: Laneuville-au-Bois – Sy

Tag 3 startet mit einem gemütlichem Frühstück in dem B&B. Das Paar, das das B&B betreibt frühstückt immer mit seinen Gästen. Was für eine herzliche Tradition. Gut gestärkt gings dann zurück zur Ourthe. Die Stärkung hatten wir auch dringend gebraucht, denn typisch für die Ardennen ging’s erstmal über ein paar Hügel. Und leider hielt das Wetter auch nicht so recht. Aber gut – hilft ja nichts. Aber immerhin gab’s das erste Highlight: Ein Biber-Damm am Wegesrand. Biber sind meine Lieblingstiere und dementsprechend hab ich mich gefreut.

Erster Stop war La Roche-en-Ardenne, eine kleine Stadt an der Ourthe mit Burgruine und vielen alten Häusern. Wirklich richtig hübsch! Hier gab’s dan erstmal ne Portion Pommes – wir sind ja schließlich in Belgien. Danach ging’s immer weiter durch das breiter werdende Tal der Ourthe flussabwärts. Und bis auf ein paar Ausnahmen sind auch damit die großen Steigungen geschafft. Zum Glück. Denn der regen zwingt uns immer wieder zu kleineren Pausen, in denen wir uns kurz irgendwo unterstellen. Wir durchqueren Wälder und fahren an unzähligen Kuhwiesen vorbei.

Kurz vor Durbuy kaufen wir uns im Supermarkt Abendessen, Frühstück und Snacks. Denn die nächste Unterkunft ist eine Ferienwohnung und in der Nähe gibt’s keine Verpflgungsmöglichkeit. Auch das ist Belgien: Restaurants, Imbisse oder auch Supermärkte sind rar und man muss manchmal etwas planen und vorrausschauend denken. Wir durchqueren mit großen Augen Durbuy – die Stadt ist ausgesprochen schön, wirkt aber auch wie ein großes Museum. Alle Häuser sind herbstlich geschmückt, die Straßen sind herausgeputzt und die Schaufenster aufwändig dekoriert.

Als wir unser Ziel Sy erreichen fallen wir kurz vom Glauben ab, denn der Radweg führt über eine sehr schmale Brücke, die mit Drängelgitter gesichert ist. Mit unseren wendigen Gravelbikes kommen wir gut durch – aber hätten wir andere Fahrräder… Schwierig.

Etappe 4: Sy – Lüttich

Juhu, der letzte Tag. Wobei: Auch schade, dass es der letzte Tag ist. Ich bin da immer etwas zwiegespalten. Das Frühstück ist spartanisch – wir frühstücken etwas Jogurt und Müsli und dann geht’s los.

Auf dieser Etappe wechseln sich immer wieder Abschnitte auf der Landstraße, auf dem Radweg daneben und auf dem Radweg am Fluss ab. Besonders beeindruckt haben mich die vielen schroffen Felsen am Ufer. Die hab ich hier gar nicht erwartet. In Esneux beschließen wir, eine Mittagspause zu machen und uns in einem Café aufzuwärmen. Viel Auswahl gibt’s nicht. Aber immerhin finden wir etwas.

Und danach fährt es sich, bis auf den Regen gegen Ende, richtig gut. Die Einfahrt nach Lüttich kenne ich mittlerweile auch schon richtig gut. Schließlich bin ich sie 2021 und 2025 bereits gefahren. Natürlich muss noch ein Stop bei meinem Stammsupermarkt sein, um mich mit Schokolade einzudecken (galler – einfach die beste belgische Schokolade). Und dann geht’s zum Bahnhof und mit dem vorgebuchten ICE zurück nach Köln. Was für ein Luxus.

Bikepacking in der Eifel und den Ardennen – ein paar Hinweise

Damit die Tour dir auch so viel Spaß macht, wie uns, hier ein paar Hinweise:

  • Auf der Bahnstrecke von Köln in die Eifel wird aktuell elektrifiziert und somit immer mal wieder unterbrochen. Check vorher, ob der Zug fährt oder ob es Schienenersatzverkehr gibt.
  • Belgien ist teilweise sehr strukturschwach, Restaurants, Hotels oder auch Supermärkte gibt es wenig und vereinzelt. Schau vorher, welche Orte sich für Pausen eignen und nimm dir ausreichend Snacks mit.
  • Es fahren sehr viele ICEs von Lüttich nach Köln – die Strecke dauert ungefähr 1 Stunde. Hier lohnt sich der Fernverkehr sehr. Mit dem Nahverkehr müsste man in Aachen umsteigen und wäre mindestens doppelt so lange unterwegs.
  • Die Menschen sprechen Französisch, oft ein paar Brocken Deutsch und Englisch. Wir hatten kaum Verständigungsprobleme.

Die Tour auf Komoot

Noch mehr Lust auf die Eifel und Belgien?

Belgien als Radreise-Land ist total unterschätzt, finde ich. Daher war ich schon ein paar Mal in Belgien und fand es jedes Mal grandios. Falls du Lust auf Höhenmeter hast, wäre vielleicht die Heuvelroute was für dich. Wenn du Lust auf kurze, aber besondere Radweg hast, dann habe ich in dem Blogpost „besondere Radwege in Belgien“ ein paar Empfehlungen.

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