Bikepacking: Ein Abenteuer-Wochenende auf der Nationalpark-Route im Nationalpark Hunsrück-Hochwald

Gravelbiken auf der Nationaparkroute im Hunsruck-Hochwald

Eine Bikepacking-Wochenende – mit allem, was dazu gehört? Draußen in der Natur schlafen, im Hotel die regionale Küche kennen lernen, über Schotter und Feldwege, über Hügel und Täler? Dann kommt mit auf die Nationalpark-Route im Nationalpark Hunsrück-Hochwald. Der Hunsrück eignet sich perfekt für ein Wochenende von Köln aus – man ist in mit der Regionalbahn in 4 Stunden da. Und man hat das Gefühl, ganz weit weg vom Alltag zu sein. Denn es ist herrlich ruhig und trotzdem hat man alles, was man so braucht.

Windklang-Skulptur am Erbeskopf
Windklang-Skulptur am Erbeskopf im dichten Neben

Inhaltsverzeichnis

An- und Abreise: Bequem mit Bahn & Bus

Der Hunsrück ist von Köln aus ohne viel Umsteigen mit der Regionalbahn zu erreichen. Einfach in die RB26 (Mittelrhein-Bahn) vom HBF bis nach Ingelheim fahren und von dort aus dann mit dem RE nach Neubrücke. Alle Bahnhhöfe haben Aufzüge und man hat genug Zeit zum Umsteigen. Und genug Platz für’s Fahrrad haben die Züge in der Regel auch.

Los geht der Zubringer zur Nationalpark-Route in Neubrücke, direkt am Bahnhof. Auf einer alten Bahnstrecke geht’s erst nach Birkenfeld und dann nach Abentheuer. Falls ihr euch ein paar Kilometer sparen wollt, könnt ihr auch mit der Nationalpark-Linie 890 fahren. Die hat einen Fahrrad-Anhänger!

Ein Wochenende auf der Nationalpark-Route

Etappe 1: Abentheuer – Allenbach

Auf der eigentlichen Nationalpark-Route angekommen, geht’s direkt schön los: Es geht über die Felder des Hunsrücks immer wieder sanfte Hügel hinauf und hinunter. Es gibt immer wieder Ausblicke und Schotter und Asphalt wechseln sich ab. So komme ich gut voran. Es ist nämlich schon Nachmittag und super viel Zeit zum Trödeln ist nicht.

Nun geht’s in den Wald – auch hier wechseln sich Schotter und Asphalt ab. Es ist unglaublich ruhig. Und ich halte meine Augen auf – vielleicht sehe ich ja ein paar Rehe? Leider sehe ich keine Tiere, dafür aber ein paar Autos. Denn immer wieder sind hier Golf- oder Sportplätze. Auch die kleinen Orte, wie z.B. Kirschweiler sind ziemlich ruhig. An den Häusern prangt Werbung für Edelstein-Schmuck – kein Wunder. Die Gegend heißt auch „Edelsteinland“. Was mir wirklich positiv auffällt, ist die Beschilderung. Auch in den Orten ist sie lückenlos und, anders als sonst, habe ich mich kein einziges Mal verfahren. Nach ein paar Kilometern Landstraße geht’s ziemlich alpin den Hügel hoch. Steile Anstiege, das kann der Hunsrück.

Aber oben auf dem Hügel angekommen folgt die Belohnung gleich: Nach ein paar Kilometern durch den Wald folgt eine wunderschöne Aussicht über die Hügel des Hunsrücks. Hier mache ich eine lange Pause und lasse meinen Blick schweifen. Hügel, soweit das Auge reicht. Wie wunderschön! Auf Schotter geht’s dann rasant den Hügel runter, bevor es durch Wälder und Felder den Hügel wieder hoch geht. Und nach dem letzten Anstieg des Tages kann ich noch einen Blick auf die Steinbachtalsperre erhaschen. Hier stehen auch Kunstwerke am Wegesrand, die sehr nach Stonehenge erinnern.

Und dann ist es auch schon geschafft: Knapp 40 Kilometer der Nationalpark-Route sind im Kasten und machen definitiv Bock auf die nächsten Tage. Glücklich und ziemlich müde falle ich im Hotel Steuer ins Bett. Und für Fiete gibt’s sogar eine Fahrrad-Garage.

Tag 2: Allenbach – Otzenhausen

Wie luxuriös das Leben ist, wenn man im Hotel aufwacht! Ich frühstücke erstmal lange und gemütlich, bevor es auf die recht kurze Etappe für heute geht: Es stehen wieder so ungefähr 40 km an – diesmal geht’s nach Otzenhausen. Hier gibt’s ein Trekkingcamp, wo ich die Nacht über schlafen werden.

Fichtenwald im Nationalpark Hunsrück-Hochwald
Fichtenwald im Nationalpark: Nicht tot, sondern Lebensraum für viele Tiere, Pilze und neue Pflanzen

Aber von Anfang: Der Tag startet regnerisch und meine Motivation, das Hotel zu verlassen, sinkt gegen 0. Aber wenn ich ehrlich bin: Eigentlich mag ich solches Wetter total gerne. Ich fühle mich dann immer wie einer Superheldin, die dick eingepackt dem Wetter trotzt. Hilft ja alles nichts. Also Regensachen an und los. Es gibt direkt Höhenmeter zum Frühstück, denn es geht auf den Erbeskopf. Das ist der höchste Punkt des Hunsrücks. Und eigentlich hat man hier eine grandiose Aussicht. Eigentlich. Denn es hängt eine dicke fette Wolke über dem Hunsrück und ich kann nur ein paar Meter weit sehen. Schadeschokolade.

Und nun geht’s durch den Nationalpark, wo doch tatsächlich eine asphaltierte Straße durch führt. Hier darf die Natur Natur sein. Und das sieht man: Denn an vielen Stellen hat der Borkenkäfer sein Unheil angerichtet und anders als sonst, lässt man hier die Bäume einfach liegen. So sind sie das Zuhause von Tieren und der Beginn von einem neuen, biodiverseren Wald. Im Nebel wirkt das fast ein wenig gruselig.

Zum Glück ist der Hunsrück bereits eine Wanderer-Region: Hier gibt’s überall Wanderhütten, wo ich im Trockenen zumindest Frühstücken kann. Und dann geht’s Kilometer weit über einsame Schotterwege durch den Wald. Es ist hier unglaublich ruhig. Und selbst, als es auf die Landstraße geht, ist es ruhig. Bevor die letzten Kilometer anbrechen, mache ich nochmal Pause in einem Bushäuschen. Und dann geht’s endlich nach Otzenhausen: Vorbei an der Talsperre Nonnweiler und einem kleinen See, wo mal Biber gewohnt haben, zum Nationalparktor Keltenpark.

Hier verlasse ich den Weg, springe kurz in einen Supermarkt, und dann geht’s auf die Suche nach dem Trekkingcamp. Der genaue Ort soll geheim bleiben – man bekommt erst bei der Buchung die Koordinaten. Zuerst geht’s auf einem breiten Weg in den Wald, bis dieser Weg immer schmaler wird und ich irgendwann absteigen und schieben muss. Und dann, wenn man fast denkt, hier kommt nichts mehr, sehe ich sie: Die beiden Plattformen, die das Trekkingcamp bilden.

Das Trekkingcamp ist sehr idyllisch. Es liegt maximal ruhig auf einer Lichtung im Wald. Die beiden Plattformen sind soweit auseinander, dass man sich kaum sieht. Etwas abseits steht das Toilettenhäuschen. Ich bin ganz alleine hier und genieße die Ruhe. Nachts wendet sich jedoch das Blatt: Die Natur kann unglaublich laut sein. Überall knackt und raschelt es. Und ich finde es fast etwas gruselig. Aber am Ende schlafe ich doch ein.

Tag 3: Otzenhausen – Neubrücke

Ziemlich früh und ziemlich gerädert wache ich auf. Es ist schon hell und die Natur um mich herum wacht auf. Ich nutze die Zeit, um in aller Ruhe zu frühstücken. Denn ein gemütliches Frühstück im Zelt, das gab’s in dieser Saison wirklich selten. Und dann kann ich den Aufbruch aber nicht länger hinauszögern. Also Zelt abbauen und zusammen packen. Und kaum ist alles zusammen gepackt, fängt es an zu tröpfeln. Nichts destotrotz erkunde ich den keltischen Ringwall, nachdem auch das Trekkingcamp benannt ist. Schon beeindruckend, was die Kelten hier aufgetürmt haben.

Es ist noch früh und das Nationalpark Tor hat noch zu. Aber eigentlich gibt es hier eine große Ausstellung zu den Kelten und auch ein wieder aufgebautes keltisches Dorf. Nochmal kurz ein zweites Frühstück und weiter geht’s auf der Nationalpark-Route.

Es ist diesig, ab und zu regnet es. Und es ist vor allem still. Ich habe sogar das Glück und sehe ein paar Rehe, die mich in aller Ruhe beobachten. Solche Begegnungen mit Tieren liebe ich sehr. Und dann erreiche ich Abentheuer – der Ort der perfekt zu mir passt. Das heißt aber auch: Bald ist die tour vorbei. Es geht über die letzten Hügel und Felder an meinen Startpunkt. Und dann ist sie auch schon voll: Eine Runde durch den Nationalpark Hunsrück-Hochwald. Nun geht’s auf den Zubringer zurück zum Bahnhof.

Und auch, wenn Zubringer irgendwie uninspiriert klingt. Das ist er ganz und gar nicht. Es geht auf einer alten Bahntrasse nach Neubrücke, auf der es sich hervorragend fährt.

Unterkünfte, Verpflegung und sonstige Infrastruktur

Hotels, Campingplätze und Trekkingcamps gibt’s in der Region recht viele. Ich habe im Hotel Steuer übernachtet – hier kann man auch E-Bikes mieten. Und es gibt auch einen Shuttle-Service. Die zweite Nacht habe ich im Trekkingcamp Otzenhausen verbracht. Hier gibt es ein kleines Klohäuschen, aber sonst kein Wasser oder ähnliches.

Verpflegung ist so ein Thema – hier solltet ihr auf jeden Fall etwas planen, denn Supermärkte sind nicht allzu häufig. Auch Cafés und Restaurants bedürfen etwas Recherche. Ganz praktisch: In Otzenhausen, ganz in der Nähe der Trekkingcamps, gibt es zahlreiche Supermärkte, Bäcker,… Darüber hinaus gibt es an den Nationalpark-Toren auch Cafés, hier müsst ihr aber vorher unbedingt die Öffnungszeiten recherchieren.

Noch mehr Abenteuer vor der Haustür?

Wenn du im Hunsrück Wandern gehen möchtest, empfehle ich dir den Rundweg „Lecker Pfädchen„.

Ansonsten ist z.B. der Westerwald von Köln nicht all zuweit weg. Im Westerwald hat mir besonders der Wied-Radweg gefallen!

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